Stundensatz berechnen als Selbstständiger: Was wirklich dahintersteckt
Viele Selbstständige setzen ihren Stundensatz zu niedrig an — nicht aus Unwissenheit, sondern weil die übliche Rechnung zu einfach ist. Wer sein gewünschtes Monatsgehalt durch die Arbeitsstunden teilt, vergisst dabei die wichtigsten Kostenpositionen des Selbstständigenlebens.
Der häufigste Fehler: Das Angestelltengehalt als Maßstab
Ein Angestellter mit 3.000 € netto im Monat kostet seinen Arbeitgeber deutlich mehr — Lohnnebenkosten, Urlaubsanspruch, Krankheitskosten und Rentenversicherung sind bereits eingepreist. Als Selbstständiger trägst du all das selbst. Wer als Freelancer 3.000 € netto anstrebt und seinen Stundensatz so kalkuliert wie ein Angestellter sein Gehalt, wird am Jahresende feststellen, dass deutlich weniger übrig bleibt als geplant.
Was wirklich von deinem Umsatz abgeht
Bevor du deinen Stundensatz festlegst, musst du vier Kostenblöcke einplanen:
Steuern — Einkommensteuer nach §32a EStG, progressiv von 0 % bis 45 %. Bei einem Gewinn von 54.000 € (60.000 € Umsatz minus 6.000 € Betriebsausgaben) sind das rund 7.941 € pro Jahr — nach Abzug der Krankenversicherungsbeiträge vom zu versteuernden Einkommen.
Kranken- und Pflegeversicherung — Als freiwillig GKV-Versicherter zahlst du 2026 rund 17,5 % deines Einkommens, mindestens aber auf Basis von 1.318,33 € pro Monat. Dazu kommt die Pflegeversicherung von 4,2 % (kinderlos). Das summiert sich schnell auf 700-900 € pro Monat.
Betriebsausgaben — Software, Steuerberater, Berufshaftpflicht, Fortbildungen, Büro, Hardware. Auch wenn du von zuhause arbeitest, kommen hier realistisch 400-800 € pro Monat zusammen.
Nicht abrechenbare Zeit — Akquise, Angebote schreiben, Buchhaltung, Krankheit. Von 365 Tagen bleiben nach Wochenenden, Feiertagen, Urlaub und Verwaltungsaufwand realistisch 160-200 abrechenbare Tage übrig.
Die richtige Formel
Statt von oben nach unten zu rechnen, solltest du von unten nach oben kalkulieren:
- Bestimme dein gewünschtes Nettoeinkommen pro Monat
- Rechne hoch auf den benötigten Jahresumsatz unter Berücksichtigung aller Abzüge
- Teile diesen Umsatz durch deine realistischen abrechenbaren Tage
- Teile den Tagessatz durch deine tatsächlichen Arbeitsstunden pro Tag
Genau das macht Freiberechner — rückwärts vom Nettowunsch zum benötigten Stundensatz, mit den echten Steuer- und Sozialversicherungsformeln für 2026.
Was kostet ein Freelancer in Deutschland im Vergleich?
Marktübliche Stundensätze variieren stark nach Branche und Erfahrung. IT-Freelancer erzielen häufig 80-150 €/Stunde, UX-Designer 70-120 €/Stunde, Texter und Journalisten 60-100 €/Stunde, Unternehmensberater ab 100 €/Stunde. Diese Werte sind Marktbenchmarks, keine Empfehlungen. Nutze den Rechner, um deinen individuellen Mindeststundensatz zu ermitteln — und gleiche ihn dann mit dem Markt ab.
Fazit
Ein Stundensatz, der nur das gewünschte Nettoeinkommen abbildet, ist kein echter Stundensatz — er ist eine Unterschätzung. Wer alle Kosten einbezieht und realistisch mit abrechenbaren Tagen kalkuliert, landet in der Regel 30-50 % höher als zunächst gedacht. Das ist kein Problem, sondern die Realität des Selbstständigenlebens in Deutschland.
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